
Die Pyrolyse von Kunststoffabfällen im Reaktor erfolgt nach strengen, schrittweisen Abbauregeln, die typischerweise in drei charakteristische Temperaturintervalle unterteilt sind:
Initiierung bei niedriger Temperatur (250 °C – 350 °C): Kettenspaltung freier Radikale In dieser Phase werden hauptsächlich anhängende Gruppen entfernt und Kettenenden gespalten. Bei Polyvinylchlorid (PVC) löst dieses Temperaturfenster die Dehydrochlorierungsreaktion aus, bei der erhebliche Mengen Chlorwasserstoffgas (HCl) freigesetzt werden. Hier beginnt die Depolymerisation von Polystyrol (PS) unter Bildung von Styrolmonomeren und -oligomeren. Der entscheidende Kontrollparameter in dieser Phase ist die Heizrate. Bei einer zu langsamen Geschwindigkeit werden keine ausreichenden Radikalkonzentrationen erzeugt, wohingegen eine zu schnelle Geschwindigkeit zu örtlicher Überhitzung führt, die zu Vernetzung und Verkokung führt.
Zufällige Spaltung bei mittlerer Temperatur (350 °C – 480 °C): Produktverteilung Dies ist die Kernphase, in der die Hauptkohlenstoffketten zufällig gespalten werden. Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) folgen einem zufälligen Spaltungsmechanismus; Die Kohlenstoffketten brechen aufgrund intensiver thermischer Schwingungen an Spannungskonzentrationspunkten. Die Produktverteilung folgt einem Gaußschen Verteilungsmuster mit einem höheren Anteil an flüssigen Kohlenwasserstoffen im Bereich C5–C20. Allerdings sollte die Temperatur niemals 500°C überschreiten. Jenseits dieser Schwelle intensivieren sich sekundäre Crackreaktionen, wodurch die Menge an leichten gasförmigen Kohlenwasserstoffen (C1 – C4) drastisch ansteigt und die Ausbeute an flüssigem Öl sinkt. Folglich ist die PID-Temperaturregelung mit geschlossenem Regelkreis der wichtigste Prozessparameter im Gerätedesign.
Hochtemperaturaromatisierung (480 °C – 550 °C+): Koks und aromatische Entstehung Dies ist das Temperaturintervall, das Ingenieure bewusst vermeiden. Olefine durchlaufen eine Diels-Alder-Cyclisierung und dehydrieren zu polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die schließlich zu Koks kondensieren, der sich an den Reaktorwänden und Rohrleitungen ablagert. Koks hat eine Wärmeleitfähigkeit, die etwa ein Hundertstel der von Stahl beträgt, was ihn zur direkten Ursache für einen plötzlichen Abfall der thermischen Effizienz macht.
Industrielle kontinuierliche Systeme unterscheiden sich grundsätzlich von diskontinuierlichen Öfen. Ihr Wesen liegt in der Synergie von Wärme- und Stoffübertragung.
Logik zur Auswahl des Reaktortyps: Derzeitige Mainstream-Geräte unterscheiden sich in zwei Hauptdesigns. Für gemischte Kunststoffe mit hohem Asche- und hohem Verunreinigungsgehalt ist der Drehrohrreaktor überlegen. Es basiert auf der Drehung der Trommel und internen Hebern, um den Kunststoff gleichmäßig gegen die heiße Innenwand zu schleudern und so einen „Materialvorhang“ zu erzeugen, der den Wärmeübergangskoeffizienten zwischen Wand und Bett deutlich erhöht. Für vorgereinigte, reine Polyolefine bietet der Wirbelschichtreaktor ein größeres Potenzial. Es verwendet Quarzsand oder Keramikkugeln als Wärmeträger, wobei Fluidisierungsgas (rezyklierter Stickstoff) Wärme transportiert, um einen isothermen Betrieb im gesamten Reaktor zu erreichen und lokale Hotspots vollständig zu eliminieren.
Destillationskolonnendesign für mehrstufige Kondensation: Das aus dem Reaktor austretende Ölgas enthält erhebliche Aerosole und wachsartige Komponenten. Die interne Fraktionierkolonne verwendet typischerweise Wellblechpackungen oder Schwimmerventilböden. Durch die präzise Steuerung des Rückflussverhältnisses am Kolonnenkopf wird ein Gegenstromkontakt zwischen der flüssigen und der Dampfphase erreicht. Unter Ausnutzung der Unterschiede in der relativen Flüchtigkeit wird das Ölgas in leichte Naphtha-Fraktionen (<170 °C), mittlere Dieselfraktionen (170–360 °C) und schwere Heizölfraktionen (>360 °C) zerlegt. Die Anzahl der Tabletts bestimmt die Trenngenauigkeit; Geräte in Industriequalität erfordern typischerweise 15 bis 20 theoretische Böden.
Verunreinigungen in Kunststoffabfällen sind die Hauptursache für Geräteausfälle. Technische Lösungen müssen dies an zwei Fronten angehen: der Dampfphase und der Flüssigphase.
Dampfphasen-Entchlorung – Hochtemperaturabsorption: Die effektivste Methode besteht darin, einen Festbettreaktor in der Hochtemperaturleitung (ca. 350–400 °C) zwischen dem Reaktorauslass und dem Kondensator zu installieren. Dieses Bett ist mit Adsorptionsmitteln auf Kalzium- oder Natriumbasis (z. B. Branntkalk oder Natriumcarbonat) gefüllt. Das Prinzip beruht auf einer Neutralisationsreaktion, bei der HCl als festes Calciumchlorid oder Natriumchlorid fixiert wird. Dadurch wird der Chlorgehalt im Ölgas auf unter 5 ppm reduziert, bevor es in das Kondensationssystem gelangt. Der Schlüssel zu diesem Prozess liegt in der ausgelegten Raumgeschwindigkeit des Adsorptionsmittelbetts; Eine zu hohe Geschwindigkeit führt zu Druckabfällen, während eine unzureichende Geschwindigkeit zu einer unvollständigen Absorption führt.
Entmetallisierung und Desilizierung in der Flüssigphase – Zentrifugaltrennung und -filtration: Anorganische Materialien wie Titandioxid (TiO₂), Kieselgel (Trockenmittel) und Aluminiumfolienreste verbleiben als mikrometergroße Partikel im Pyrolyseöl nach der Reaktion. Ein dreistufiges Filtersystem ist unverzichtbar: Zyklonabscheidung der Stufe 1 (für schwere Partikel), Hochtemperatur-Schmelzefilter der Stufe 2 (mit einer Filterfeinheit von 25 μm) und Scheibenzentrifuge der Stufe 3 (die Dichteunterschiede nutzt, um Leichtöl von schweren Rückständen zu trennen).
Korrosionsschutz-Materialtechnik: Auch nach der Dampfphasen-Entchlorung können Restspuren von HCl mit Wasserdampf in den nachgeschalteten Abschnitten kondensieren und verdünnte Salzsäure bilden, was zu Taupunktkorrosion führt. Daher müssen die Fraktionierkolonne und die nachfolgenden Kondensatorrohrbündel aus Duplex-Edelstahl (z. B. 2205) oder mit Titan beschichteten Verbundplatten hergestellt werden. Darüber hinaus ist beim An- und Abschalten der Anlage eine gründliche Stickstoffspülung zwingend erforderlich, um das Eindringen von Luft zu verhindern, die eine korrosive Mischung aus schwefelhaltiger Säure und Salzsäure bilden würde.
Der Pyrolyseprozess erzeugt 15–25 Masse-% nicht kondensierbare C1–C4-Gase, hauptsächlich Methan, Ethan, Ethylen und Propylen, mit einem hohen Heizwert von 40–50 MJ/Nm³. Moderne Altkunststoff-Ölraffinierungsanlagen reinigen dieses Gas und speisen es direkt in den Gasbrenner, der als primäre Wärmequelle für den Reaktor dient.
Die thermische Bilanz des Systems berechnet sich wie folgt: Die endotherme Wärme, die erforderlich ist, um die Kunststoffe auf die Cracktemperatur zu bringen, beträgt etwa 800–1000 kJ/kg. Die Verbrennung des nicht kondensierbaren Gases deckt typischerweise nur 70–80 % dieses gesamten Wärmebedarfs. Um einen kontinuierlichen stationären Betrieb aufrechtzuerhalten, benötigt das Gerät eine kleine zusätzliche Zufuhr von Flüssiggas oder Erdgas zur Hilfsverbrennung. Ein entscheidender technischer Gesichtspunkt ist die Rückgewinnung der Abgaswärme. Das Rauchgas mit hoher Temperatur (ca. 500–600 °C) muss vor dem Ausstoß einen rohrförmigen Luftvorwärmer durchlaufen, der die Verbrennungsluft auf 250–300 °C vorwärmt. Dieser einzelne Schritt kann den thermischen Gesamtwirkungsgrad des Systems von 65 % auf über 85 % steigern.
Verkokung ist der entscheidende Faktor, der die Lebensdauer der Anlagen und die kontinuierlichen Betriebszyklen begrenzt. Über die präzise Temperaturregelung hinaus werden drei proaktive technische Strategien zur Koksunterdrückung eingesetzt:
Wasserstoffspendertechnologie: Durch die Zugabe einer kleinen Menge wasserstoffreicher Polymere (z. B. Gummikrümel aus Reifen) in das Futter oder durch die Aufrechterhaltung eines leichten positiven Wasserstoffdrucks werden freie Wasserstoffradikale bereitgestellt, um die durch Kettenspaltung entstandenen ungesättigten Bindungen zu verschließen und so die Olefinpolymerisation zu verhindern.
Inline-Mechanisches Schaben: Ausstattung des Reaktorinneren mit Schabern oder einem Schneckenförderer, der mit extrem langsamer Geschwindigkeit (0,5 – 2 U/min) rotiert. Dies dient einem doppelten Zweck: dem Vorrücken des Materialbetts und dem kontinuierlichen Abschaben entstehender Koksablagerungen, die an der Reaktorwand haften.
Dampfstrippung: Am Ende der Reaktionsphase wird überhitzter Dampf (300 °C) in den Reaktor injiziert. Die Dampfvergasungsreaktion (C + H₂O → CO + H₂) vergast den abgelagerten Kohlenstoff teilweise und verlängert so die Dauer des einzelnen Betriebszyklus.
Altplastik-Ölraffinierungsausrüstungstellt eine Ingenieurdisziplin dar, die sich auf Spaltung und Rekombination konzentriert. Der wahre Maßstab seiner technischen Raffinesse wird nicht durch einen einzelnen Prozentsatz der Flüssigkeitsausbeute definiert, sondern durch seine Toleranz gegenüber Verunreinigungen, seine Fähigkeit zur Koksunterdrückung und die selbstausgleichende Integrität seines gesamten thermischen Systems. Ein wirkliches Verständnis dieses industriellen Apparats wird nur erreicht, wenn man die zugrunde liegende Logik der Reaktionen freier Radikale, der fraktionierten Destillation auf Bodenbasis und der oben erläuterten Mechanismen der Taupunktkorrosion versteht. Es handelt sich um ein geschlossenes Ökosystem aus Chemie, Thermodynamik und Materialwissenschaften.